Drucken

Wertvolle Bauten 3/12

Ein Schmuckstück über Jahrzehnte hegen und pflegen

Die Hauptfront im Jahr 2012. Sämtliche Fotos: Peter von Arx.

DIE WEITERENTWICKLUNG DES EHEMALIGEN BAUERNHAUSES IN ZAUN,
GEMEINDE MEIRINGEN

Die Geschichte des Gebäudes
Das ehemalige Bauernhaus mit dem Namen «Chastengüöd» steht zuoberst in «Züün» (Zaun), einer Streusiedlung der Gemeinde Meiringen. Züün liegt zwischen 900 und 1100 Metern über Meer auf halber Wegstrecke zur Wandelalp (1540–1820 m ü. M.). Durch das Terrain der Liegenschaft fliesst der Oltschibach, der sich nach etwa 600 Metern talwärts über die markante Felsstufe des Hasli nach Unterbach hinunterstürzt.
Der Kern des grossen Kantblockbaus wurde im frühen 18. Jahrhundert erbaut. Kantblockbauten waren damals in dieser Gegend die übliche Bauweise. Im Jahr 1857 wurde das Bauernhaus mit einer vierteiligen Reihenfensterstube westwärts erweitert, um ein Stockwerk erhöht und mit einem zeittypischen Gerschild versehen. Seit 1877 wärmt der noch heute bestehende Specksteinofen die gute Stube des Kernbaus. In jüngster Zeit erhielt das Holzschindeldach des stattlichen Baus eine Eindeckung mit neuen Holzschindeln.

Ein wertvoller Bau
Das Gebäude wird seit vielen Jahren durch die Bauherrschaft fachkundig in kleinen und grossen Bauetappen instand gesetzt und an die Wohnbedürfnisse unserer Zeit angepasst, gehegt und gepflegt. Diese Interventionen sind es, die den Bau zusätzlich wertvoll machen. Die Voraussetzung ist die Würdigung des Hauses durch die Besitzer und der Wille, die Eingriffe sorgfältig im Sinne der Baugeschichte weiterzubauen. Das Haus zeigt exemplarisch, wie historische Bausubstanz und neuzeitliches Wohnen sich ergänzen und befeuern können.

Besondere Herausforderungen
Die Anpassung stellte und stellt sämtliche Beteiligte – Bauherrschaft, Architekten, Handwerkerinnen, Bauberater des Heimatschutzes und Denkmalpflegerinnen – im Laufe der verschiedenen Etappen immer wieder vor grosse bautechnische und restauratorische Herausforderungen, wie zum Beispiel den Einbau einer neuen Fensterreihe zur Nutzung des ersten Obergeschosses. Heute ist das grosse Bauvolumen renoviert, bis unter den First für Wohnzwecke ausgebaut, die Gebäudehülle gedämmt, die Haustechnik samt Küchen erneuert.

Lösungsweg für die Erhaltung des Charakters des Hauses
Für das äussere Erscheinungsbild des Hauses sind Fenster, ihre Anordnung und Teilung besonders wichtig. Mit der Suche nach der geeigneten Fensterteilung hat sich die Bauherrschaft intensiv befasst und kundig gemacht. Heute sind 12-teilige Doppelglasfenster im Obergeschoss und Dachgeschoss und 12-teilige Isolierglasfenster im Erdgeschoss eingebaut.

Das Resultat ist gelungen und überzeugt
Das grosse stattliche Haus strahlt Behäbigkeit und Dauerhaftigkeit aus. Die Dekormalerei und die Inschriften auf der Haupt- und der Rückfront unterstreichen die Bedeutung des Bauwerkes. Diese wurden im Jahr 2009 fachgerecht restauriert. Mit dem dazugehörigen Stall bildet dieser ausgewogen proportionierte Bau eine wunderbare Eingangssituation im oberen Bereich auf Zaun.

Silvia Kappeler, Peter und Eva von Arx-Haas

Ort Zaun 543, Gemeinde Meiringen
Bauvorhaben Etappenweise Bearbeitung: Instandstellung / Bauerneuerung / Bauerweiterung / Umbauten / diverse Umbauten / Restaurierungen
Schutzstufe schützenswert, K-Objekt
Bauzeit Grundbau frühes 18. Jh., Bearbeitung etappenweise von 1991–2001–2019
Baukosten 900 000 CHF
Bauherrschaft Eva und Peter von Arx-Haas
Architekt Hans Peter Thöni, Goldern Hasliberg
Fachliche Unterstützung Berner Heimatschutz, Region Interlaken-Oberhasli, Denkmalpflege des Kantons Bern

> zur Übersichtsseite «Wertvolle Bauten»

Neueindeckung mit Holzschindeln: Haus 2019, Anbau 2017. Bilder anklicken zum Vergrössern.
Giebelpartie der Rückfront. Dekormalerei und Inschrift von 1857.

Inschriften Rückfront (Foto)
«Gott behüte dieses Haus und alle die hier gehen ein und aus. Drum fürchte Gott und bet und wache»


Inschriften Hauptfront

«Zimer Meister Fuhrer Huggler (auf dem «m» bei Zimmermeister Strich für doppel-m) / «Wer Gott vertraut hat wohl gebaut im Himel (Strich für doppel-m) und auf Erden 1857»

Diese Wohnecke im Erdgeschoss schmückt sich mit Stichen und Sofa aus der Zeit um 1900.
Specksteinofen aus dem Jahr 1877, Holztäfer aus den 1850er-Jahren in der guten Stube des Kernbaues.
Die neue Treppe aus Ahornholz und Stahl vom 1. Obergeschoss ins Dachgeschoss.
Vorraum zu zwei Zimmern im Dachgeschoss.