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Wertvolle Bauten 4/12

Spielraum dank Denkmalschutz

Nordfassade mit verlängerter Seitenlaube. Sämtliche Fotos: Christine Blaser - Bildaufbau

SANIERUNG, UMNUTZUNG BAUERNHOF WEYERGUT, WABERN

Geschichte des Gebäudes
Alle baulichen Elemente des Landsitzes im Weyergut, welcher im 16. Jahrhundert entstand, sind noch beisammen. Zur Baugruppe gehören das Bauernhaus (1842) mit Ökonomieteil (1731) sowie die Stallscheune (1930) über einem historischen Kellergewölbe (16. Jh.). Weitere Gebäude des Ensembles sind das Herrenhaus mit Barockgarten, das ehemalige Ofenhaus, eine frei stehende Scheune, ein Hühnerhaus, ein Bienenhäuschen sowie ein gedeckter Brunnen mit Hoflinde.

Ein wertvolles Gebäude
Das Bauernhaus mit Wohnteil, Ökonomieteil und angebauter Querscheune besitzt ein eindrückliches Volumen. Die geschindelte Fassade des Wohnteils und die Seitenlauben und Vordachstreben prägen den Bau, welcher eine bedeutende Raumhöhe aufweist. An der zweckmässigen Bauweise beeindrucken zudem die Holzstruktur, die grossen Zimmer mit Sitzöfen und generell die Patina, die Spuren intensiven Gebrauchs.

Besondere Herausforderungen
Die Umnutzung dieser in der Landwirtschaftszone liegenden Gebäudegruppe war nur möglich, weil das Ensemble im Rahmen des Baugesuchsverfahrens von der kantonalen Denkmalpflege gestützt auf Art. 24d Abs. 2 RPG als schützenswert anerkannt wurde. Die frühzeitige Zusammenarbeit mit Behörden, der Denkmalpflege, Ingenieuren und Unternehmerinnen erlaubte auch eine hohe Kostensicherheit.

Lösungsweg für die Erhaltung
Halle 58 Architekten entwickelten zusammen mit der Bauherrschaft ein ganzheitliches Sanierungs- und Umbauprojekt mit neun unterschiedlichen Wohneinheiten für das lange Jahre leer stehende Bauernhaus. Die Flexibilität des Raumangebotes mit bis zu dreigeschossigen Wohnungen, einem Gemeinschaftsraum und der neuen Scheune sprach viele Wohnungssuchende an. Die flächenmässig eher kleinen Wohnungen erhalten mit einem facettenreichen Aussenraum und ihren Sitzplätzen viel Lebensqualität.

Das Resultat ist gelungen und überzeugt,
weil durch die Umnutzung des alten Gebäudes, ohne Abstriche an räumlicher oder ästhetischer Qualität, wertvoller Wohn- und Lebensraum entstand. Das Bauernhaus und der Aussenraum sind wiederbelebt, der Charakter des Bestandes blieb erhalten. Dieser Mikrokosmos bietet derzeit 25 Bewohnerinnen und Bewohnern Raum, an dem das Leben andocken kann. Das ausgefeilte Energie- und Dämmkonzept führt zu einem tiefen jährlichen Verbrauch, welcher zudem mit erneuerbarer Energie gedeckt wird.

Peter Schürch, Architekt Halle 58 Architekten

Ort Wabern
Bauvorhaben Sanierung, Umnutzung Bauernhof Weyergut
Schutzstufe Teil einer erhaltenswerten Baugruppe, Wohn- und Ökonomieteil hochgestuft auf schützenswert im Rahmen des Baugesuchsverfahrens
Bauzeit April 2016 bis Februar 2019
Baukosten 8,2 Mio. CHF
Bauherrschaft einfache Gesellschaft Bauernhof Weyerguet
Architekt Halle 58 Architekten, Marzilistrasse 8a, Bern; Peter Schürch
Nutzung von erneuerbaren Energien Dachflächenintegrierte Fotovoltaikanlage, Erdregister und Erdsonden mit Wärmepumpe, passive Nutzung Sonnenenergie über Fenster

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Westfassade, Querscheune mit zwei Wohneinheiten. Bild anklicken zum Vergrössern.
Hof, Brunnenhaus, Hauptgebäude mit Wohnteil: ein eindrückliches Ensemble. Bild anklicken zum Vergrössern.
Die neuen Wohnungen machen sichtlich Freude. Bild anklicken zum Vergrössern.
Dachraum des Ökonomieteils. Bild anklicken zum Vergrössern.
Das Kellergewölbe aus dem 16. Jahrhundert. Bild anklicken zum Vergrössern.